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Takamatsu Toshitsugu

Toshitsugu Takamatsu

Takamatsu Toshitsugu wurde am 10. März 1887 in Akashi, Provinz Hyogo geboren. Bevor er ein Jahr alt war, wurde er von seiner leiblichen Mutter getrennt und hatte bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr insgesamt neun verschiedene Pflegemütter. Sein Vater wechselte sehr oft den Beruf (so war er beispielsweise Vertreter von Sanyo Railroad in Akashi und Fabrikinhaber in Kobe). Takamatsu besuchte unter anderem die St. George’s English School und eine chinesische Bildungsschule.

Auf Wunsch seines Vaters begann Takamatsu im Alter von neun Jahren mit dem Studium der Kampfkünste im Dōjō seines Großvaters Toda Shinryuken Masamitsu. Toda hatte den Rang eines Samurai, kam ursprünglich aus der Provinz Iga und unterhielt in Kobe eine Chiropraxis. Sein Vater wollte, dass aus Takamatsu ein Krieger werde, da er zu dieser Zeit recht wehleidig war. Statt Takamatsu Techniken zu lehren, führte Toda zunächst ausschließlich Techniken an Takamatsu aus und warf ihn im Dōjō hin und her, weshalb Takamatsu sich zu Beginn seines schmerzhaften Trainings schwor, nicht mehr in Todas Dōjō zurückzukehren. Aber er kehrte dennoch zurück – immer wieder.

Erst nach einem ganzen Jahr des Leidens und des schmerzvollen Erduldens zahlloser Techniken, begann Toda ihn in Waza (Techniken) der Shinden Fudo Ryū zu unterrichten. Takamatsu wurde kräftiger und legte an Gewicht zu. Im Dōjō nannte man ihn zu dieser Zeit Kotengu ("Kleiner Dämon").

Als Takamatsu 13 Jahre alt war, beherrschte er die Shinden Fudo Ryū. Von nun an lehrte ihn Toda das Togakure Ryū Ninpō, Shinden Koto Ryū, Koppo Jutsu und Gyokko Ryū, Kosshi Jutsu. Zu dieser Zeit fand sich Takamatsu nach einer Straßenschlägerei, in deren Verlauf er mehr als zehn der rund 60 Furyo (d. h. straffällige junge Leute) besiegt hatte, in den Schlagzeilen der Tagespresse Kobes wieder – unter dem Titel
„13 Jahre alter Judo Experte schlägt mit Leichtigkeit 60 Gangster in die Flucht.“

1906 im Alter von 17 Jahren erhielt Takamatsu das Menkyo Kaiden der Takagi Yoshin Ryū, die er im Dōjō von Yoshitaro Tadafusa Mizuta zusammen mit der Gikan Ryū seit einigen Jahren trainierte.

Im selben Jahr lernte er Matsutaro Ishitani kennen und begann bei ihm zu trainieren. Matsutaro Ishitani unterrichtete Toshitsugu Takamatsu vornehmlich im Kukihappo Hiken („Beherrschung versteckter Waffen gegen neun Dämone in acht Richtungen“ – Generelle Beherrschung von Budō inklusive Waffentechniken): 1. Tai jutsu (Unbewaffneter Körperkampf); 2. Koppo Jutsu (Dakentaijutsu und Jutaijutsu); 3. Yarijutsu (Speerkampf); 4. Bojutsu (Rokushaku Bo Jutsu und Hanbō Jutsu); 5. Semban Nage (Wurfklingen); 6. Ka Jutsu (Einsatz des Feuerelements); 7. Chiku Jo Gunryaku Heiho (Militärtaktik); 8. Onshinjutsu/Hensojutsu (die Kunst des Verkleidens und Täuschens).

Im Jahre 1908 erhielt Takamatsu von seinem Großvater Shinryuken Masamitsu Toda ein Jahr vor dessen Tod das Menkyo Kaiden der Shinden Fudo Ryū, der Koto Ryū und der Togakure Ryū. 1910 verstarb Matsutaro Ishitani.

Im Alter von 21 Jahren rannte Takamatsu von zu Hause weg, da er von seinem familiären Leben enttäuscht war. Ein Jahr lang lebte er auf dem Berg Mana bei Kobe und ernährte sich lediglich von rohem Reis. Er feilte in dieser Zeit hart an seiner Kampfkunst und erhielt viele Unterweisungen von einem ebenfalls auf dem Berg lebenden Eremiten, nachdem dieser ihn von einer langwierigen Krankheit befreit hatte. Takamatsu erkannte, dass er Geld verdienen musste, um etwas zu erreichen und entschloss sich daher, nach China zu reisen.

Für die Dauer von zehn Jahren wanderte er durch die Mandschurei und Nord-China. Während seines turbulenten Aufenthaltes in China musste sich Takamatsu mehrere Male mittels seiner Ninjutsu-Kenntnisse gegen Banditen verteidigen, um zu überleben – stets erfolgreich. 1914 gründete Takamatsu eine Vereinigung der japanischen Kampfkünste (Butokukai) in Nord-China.

Zu dieser Zeit wurde er auch aufgrund unglücklicher Umstände in einen Kampf mit einem bekannten Meister der Shorin Ryū namens Zhang Zi Liang verwickelt, der um einiges älter als Takamatsu war und rund 124 Kilo wog. Nachdem Takamatsu dreimal herausgefordert worden war, nahm er den Kampf an. Der Kampf fand im Butokukai statt. Vor dem eigentlichen Kampf erinnerte sich Takamatsu an einen Traum, den er eines Tages gehabt hatte, in dem ein Riese versuchte, eine Fliege mit einem Eisenstab zu erschlagen. Die Fliege rettete sich das Leben, indem sie den Angriffen auswich und ständig in Bewegung blieb. Takamatsu beschloss, diese Kampftaktik gegen seinen Gegner anzuwenden. Zhang Zi Liang griff Takamatsu erbittert mit kraftvollen Fußtritten und Schlägen an, aber Takamatsu benutzte Roppo Tobi, um den Angriffen durch gewaltige Sprünge zur Seite, nach vorne oder hinten auszuweichen. Nach ungefähr einer Stunde Kampfesdauer waren die Bewegungen Zhan Zi Liangs erlahmt und aufgrund seines hohen Gewichts schwitzte er sehr stark. Takamatsu hingegen merkte man keinerlei Müdigkeit an.

An diesem Punkt wurde der Kampf von Herrn Lian, einem Onkel des Kaisers, gestoppt und auf unentschieden entschieden. Zhan Zi Liang und Takamatsu wurden Freunde.

Takamatsu war während des Krieges auch in der Mongolei, wo er seine Ninpō Techniken zum Überleben und zum Ausführen seiner Aufgaben anwendete. Auf diese Weise bekam er den Namen Mokono Tora (Mongolischer Tiger).

Takamatsu lernte auch Shoringi Kenpo (chinesisches KungFu), das externes und internes KungFu beinhaltet. Das externe Kung Fu kommt von der Shaolin-Schule, das innere ist der Ansatz zur Schaffung eines inneren Bewusstseins unter Verwendung des inneren Chi mit dem externen. Beide Einstiege haben esoterischen Hintergrund, denn beide Stile wurden von chinesischen Mönchen praktiziert und kamen in verschiedenen Entwicklungsstadien nach Japan.

Aus der internen Richtung entwickelte sich Tai Chi Chuan, HSing Gi und Bagua Chan. Die beiden Schulen Koto-Ryū und Gyokku Ryū, die aus China vor 400 bis 500 Jahren nach Japan gekommen waren, werden auch als innere Kampfkünste betrachtet.
Nachdem Takamatsu durch seine Kampfkunst insgesamt 200.000 Yen verdient hatte, kehrte er 1919 nach Japan zurück, wandte sich verstärkt der Religion zu und wurde mit der Zeit leitender Tendai-Priester. Außerdem unterhielt er ein Teehaus und eine Kampfkunstschule.
Einer der berühmten Schüler von Takamatsu Sensei – außer Masaaki Hatsumi – war Fumio Akimoto, der eigentlich schon länger Schüler von Takamatsu gewesen war. Hatsumi erzählte von dessen extremen Fähigkeit in der Schwertkunst. Er konnte einen Vogel im Flug in zwei Teile schlagen, und im Bruchteil einer Sekunde sein Schwert wieder wegstecken, ohne die geringste Mühe. Er starb aber früh an einer Krankheit, ohne Schüler oder Nachfolger zu hinterlassen.

Takamatsu erlangte in Japan bereits zu Lebzeiten, aufgrund seiner Persönlichkeit (Shinjutsu – Gewandheit des Geistes) und seines umfassenden Wissens in den traditionellen Kampfkünsten, den Ruhm einer „lebenden Legende". Nur wenige wussten jedoch, dass er zugleich auch der Großmeister der letzten Ninja-Traditionen Japans war.

Er malte gerne und viel und hielt einen geregelten Tagesablauf ein: Er ging stets um 21 Uhr zu Bett und stand um 6.30 Uhr auf. Jeden Morgen übte er „Reisui Masatsu“ aus (den Körper mit einem Handtuch „rubbeln", das zuvor in kaltes Wasser getaucht wird). So litt er nie an ernsthaften Krankheiten. Takamatsu war Meister der Kaligraphie, u.a. einer alten chinesischen Kanjiform.

Takamatsu Toshitsugu verstarb 85-jährig am 2. 4. 1972 in seinem Haus in Nara (östlich von Osaka). Das aktive Training hatte er im Alter von 80 Jahren aufgegeben. Noch vor seinem Tod hatte er seinen 1957 aufgenommenen Schüler und heutigen Soke des Bujinkan Dr. Masaaki Hatsumi zu seinem legitimen Nachfolger in den neun von ihm repräsentierten traditionellen japanischen Kampfkunststilen bestimmt, die er im Kutai Kishinto Ryū Chosui Ha sowie in seiner Kashihara Shobukai-Organisation zu Lebzeiten unterrichtet hatte. Takamatsu wird als BUJIN (göttlicher Krieger) im Bujinkan in Erinnerung gehalten, welches ihm zu Ehren von Soke Dr. Masaaki Hatsumi so benannt wurde.